Mittwoch, Dezember 13, 2006

menschliche Zu-Tun-Liste

Das ist es, wie ich mich dieser Tage fühle. Frau "Ich organisiere hier alles alleine. Und zwar einhändig." Mäh. Eigentlich organisiere ich gar nicht so gerne oder räume auf oder habe riesige Zu-Tun-Listen, aber das kann man nicht an meinem Leben ablesen. Seit Jahren versuche ich, Weihnachten zu verschlanken. Aber das ist wirklich schwer. Und mit Kind ist es noch um einiges schwieriger. Er liebt Weihnachten. Sogar ich mag manches an Weihnachten.

Aber ich mag es ganz und gar nicht, so viel behalten und tun zu müssen. Ich habe sogar fast alle Weihnachtsgeschenke. Ich schreibe sowieso keine Weihnachtskarten, aber ich muss mir trotzdem Dutzende von Dingen merken, die ich zur Weihnachtsfeier im Kindergarten mitbringen muss. Freitag um fünf. Schon wieder. Wieder musste ich zwei Schülerinnen auf Donnerstag verschieben, damit ich an so einer Kindergarten-Sache teilnehmen kann. Ich dachte, ich bin schlau, ich trage mich nur für Apfelsaft und Wasser in die Buffet-Liste ein. Ich muss daran denken, meinem Sohn an diesem Tag ein beiges T-Shirt und beige Strumpfhosen anzuziehen, damit alles zu seinem Tannenbaum-Kostüm im Weihnachts-Theaterstück passt. Wir bringen die Gitarren mit. Deswegen muss ich tatsächlich Weihnachtslieder auf der Gitarre üben, denn so gut bin ich dann auch nicht, dass ich die alle vom Blatt spielen könnte. Wenigstens habe ich mich geweigert, mein Keyboard anzuschleppen (Keyboard, Ständer, Verstärker, Sound-Modul, Kabel). Ich war sehr stolz auf mich, dass ich mich nicht nur geweigert habe, in dem THEATERSTÜCK, DAS DIE ELTERN FÜR DIE KINDER AUFFÜHREN mitzuspielen, sondern dass ich auch nicht zur Probe kommen würde. Weil die zu der Zeit stattfindet, wo ich die Schüler unterrichte, die ich am Freitag nicht unterrichten kann.

Was mich wirklich stinkig macht, ist nicht die Tatsache, dass andere Eltern offensichtlich viel mehr Zeit haben als ich (was ich bezweifle) oder viel mehr Sinn für Weihnachten (ganz bestimmt), nein, was mich so richtig stinkig macht ist, dass jede einzelne Mutter, mit der ich gesprochen habe, kein Lust hatte, Theater zu spielen. Keine einzige. Also dachte ich, ich bin ganz schlau und schlage vor, dass wir ein paar Lieder singen, aus und fertig. Dann ging ich nicht zum Elternstammtisch und als nächstes höre ich: "Wir machen nur einen kleinen Sketch, damit die Kindergartenleiterin nicht sauer auf uns ist." WAS? Ich bin doch kein Kindergartenkind mehr. Soll sie doch auf mich sauer sein. Deswegen wird sie meinen Sohn schon nicht rauswerfen. Und als nächstes hörte ich: "Oh, wir dachten, du könntest die (ich weiß nicht einmal mehr, welche Rolle sie mir zugedacht hatten) spielen. wir treffen uns Donnerstag um fünf." Tja, ihr trefft euch vielleicht, aber ich nicht.

Was ich vor allem nicht verstehe ist, dass die Mütter vom Elternbeirat, auf deren Mist das gewachsen ist, beide allein erziehende Berufstätige sind. - Vielleicht brauchen sie ja keinen Schlaf. Oder sie können bloß extrem schlecht nein sagen. Wofür ich sehr dankbar bin, denn sonst hätte ich vielleicht Elternbeirätin werden müssen. Gerade als ich mich fast entschlossen hatte, mich idiotischerweise freiwillig zu melden, fixierte die königin des Kindergartens eine andere Mutter und sagte: "Sie sehen aus, als würden Sie sich gerne freiwillig melden." mit einem fetten falschen Lächeln auf dem Gesicht.

Aber die verfrellte Weihnachtsfeier ist nicht das einzige, an das ich denken muss. Ich habe mir in weiser Planung diese Zeit des Jahres ausgesucht, um an meinen Energielecks zu arbeiten. Ich habe De von sober briquette gebeten, mich dabei moralisch zu unterstützen und erledige seit letztem Wochenende eine liegen gebliebene Aufgabe nach der anderen. Dann hat mein Sohn sich sehr günstig den 17. Dezember als Geburtstag ausgesucht. In diesem Jahr gibt es das erste Mal einen Kindergeburtstag. Mein erster (den ich veranstalte). In den letzten Jahren haben wir die Angelegenheit immer recht einfach gehalten. Ich kaufte eine Schwarzwälder Kirschtorte, nahm sie am Abend vorher aus der Truhe, es gab einen Geburtstagskranz, Torte zum Frühstück und das Auspacken der Geschenke. Später kam meine Schwiegermutter runter, lehnte ein Stücke Torte mit dem Ausruf: "Wie könnt ihr nur morgens etwas Süßes essen! Ich könnte niemals Kuchen zum Frühstück essen!" ab. (Macht ja nichts, wenn 75% der Nation süß frühstücken.) Dann kommt das rituelle "Aber nur ein Stück! Also, wenn ihr darauf besteht, dann esse ich nachmittags etwas davon." und noch mehr Geschenke auspacken. Das war's.

Dieses Jahr kommen noch fünf andere Kindergartenkinder dazu. Ich habe Papierservietten und Girlanden gekauft. Dieses Mal muss ich backen. Mein Sohn hat sich Schokoladen-Muffins mit Smarties gewünscht und das ist es was er bekommt. Am Montag muss ich dann Muffins in den Kindergarten bringen, damit er dort auch noch mal seinen Geburtstag feiern kann. Und am Dienstag muss ich den großen Koffer für die Fahrt zu meinen Eltern gepackt haben, damit der nette Mann vom Gepäckdienst ihn hoffentlich schon voraus schicken kann. Weil wir wieder mit dem Zug fahren und ich keine Lust habe, auch noch sämtliche Weihnachtsgeschenke auf meinen Buckel zu laden.

Hier ist mein Plan:

• morgen leihen wir uns das Auto meiner Schwiegermutter und fahren in die große Stadt, um das Mischpult reparieren zu lassen (wir hoffen, es geht noch auf Garantie, obwohl wir das Ding im Februar gekauft haben. Wünscht mir Glück.)
• Außerdem werde ich Muffins-Rezepte nachschauen müssen und eine Einkaufsliste für alles machen, was wir bis zu unserer Abreise in zehn Tagen brauchen
• den Rest des Tages werde ich unterrichten (wunderbare Struktur)
• am Donnerstag unterrichte ich von morgens bis abends und zwischen durch mache ich den großen Einkauf
• außerdem übe ich die verfrellten Weihnachtslieder auf der Gitarre (und transponiere einige davon noch, sie sind viel zu hoch)
• Freitag breche ich in wilde Panik aus, denke zwei Tage lang darüber nach, was ich anziehen werde und beschließe dann, dass es zu stressig ist, mich umzuziehen
• dann unterrichte ich
• danach hektisches Abstrampeln, um rechtzeitig zur Feier zu kommen mit allem, das wir dort brauchen
• Freitag Abend mit einem alkoholischen Getränk zusammenbrechen nachdem ich das überreizte Kind unter Schreien ins Bett gebracht habe (Kind, ich oder beide - wir werden sehen)
• am Samstag noch wildere Panik und Kuchen backen
• um Mitternacht das Haus dekorieren
• am Sonntag die üblichen Geburtstagsfeierlichkeiten
• dann total ausrasten
• Mittagessen mit überreiztem Sohn
• zwischen 2 und 5.30 noch fünf weitere überreizte Kindergartenkinder im Haus haben (Ich denke, an diesem Punkt wird die Zeit recht schnell vergehen. Allein das Händewaschen und Toilette gehen vor dem Kuchen könnte bis zu 20 Minuten in Anspruch nehmen. Natürlich werde ich darauf achten, dass sie erst zur Toilette gehen und sich dann die Hände waschen - mit Seife.)
• nach dem Aufräumen und Sauber machen und dem Zu-Bett-Bringen des jetzt wirklich überreizten Kindes werde ich
• eine weitere Ladung Schok-Muffins dekorieren
• Montag morgen muss ich einen WEg finden, wie ich die besagen Muffins in den Kindergarten transportieren kann (außerdem wieder Wasser und Saft, vielleicht nehme ich den Fahrradanhänger)
• dann nach Hause und saubere Kleider zum Einpacken suchen
• Packen
• Panik
• Schüler unterrichten
• Dienstag: den ganzen Tag damit verbringen, auf den Typ zu warten, der den Koffer abholen soll
• Mittwoch: nicht vergessen, für das Puppenspiel im Kindergarten zwei Euro mitzubringen
• Donnerstag: anfangen, für die Reise zu packen
• Freitag: endloser Unterricht
• Samstag: im Morgengrauen aufstehen, den Rest einpacken, den zug erwischen (Das schließt den traditionellen Streit zwischen mir und meinem Mann auf dem Weg zum Bahnhof mit ein. Eine schöne Tradition, die wie aufrechterhalten sollten.)
• in den Zug setzen, in der großen Stadt umsteigen, entspannen, Mittagessen im Zug, umsteigen und wieder umsteigen (spezielle Feiertags-Verbindung)
• bei Eltern ankommen
• Mischung aus milder Panik und Langeweile, bis wir eine Woche später wieder zurück kommen (was mich daran erinnert, dass ich noch die Zutaten für das traditionelle Käsefondue am Silvesterabend auf die Einkaufsliste für diese Woche setzen muss)
• beginne das neue Jahr
• schwöre feierlich, dir zu Weihnachten nie wieder solch einen Stress zu machen
nächstes Jahr wiederholen

Aber für etwas bin ich dankbar. Diese Jahr bin ich nicht diejenige, die den ganzen Weihnachtskram organisieren muss. Kein Baum, keine Deko, kein Einkauf, kein Geschenke einpacken, kein Kochen - nichts. Weil wir das erste Mal seit Jahren Weihnachten nicht zuhause sind. Das könnte gut sein. Und auch wenn mein Sohn anderer Ansicht ist, müssen wir nicht einmal den Weihnachtsbaum einpacken.

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