Donnerstag, Mai 11, 2006

Performance Angst - gelöst

Also bin ich endlich zu der Probe der Performance-Gruppe gegangen. Letzten Dienstag. Ich konnte mich die ganzen vierzehn Tage nicht entscheiden. Soll ich hingehen, oder nicht? Aber da meine Mutter uns besucht hatte und babysitten konnte, habe ich angerufen und bin hingegangen.

Dieses Mal waren die Vorbereitungen viel weniger aufwendig. Ich hatte schon einen Babysitter, meine Zehennägel waren noch lackiert, mein Outfit war mir egal, eigentlich war mir die ganze Probe egal, weil mir schon klar war, dass ich wahrscheinlich kein Mitglied dieser Gruppe werden würde. Aber ich war trotzdem sehr neugierig, wollte der Gruppe eine Chance geben, und - vielleicht der stärkste Grund - ich wollte wissen, wie ich mich in so einer Umgebung mache. Improvisiertes Singen und Tanzen.

Um die Spannung gleich rauszunehmen - ich bin ziemlich zufrieden mit mir. Ich war dort, sogar pünktlich. Ich stieg aus der S-Bahn und lief prompt in die falsche Richtung, aber die Performerin, die mich angerufen hatte, hatte mich gesehen und im Auto mitgenommen. Die andere interessierte Sängerin war dort. Ich kenne sie schon eine Weile und kann sie sehr gut leiden. Also fühlte ich mich ziemlich wohl. (Hier muss ich leider einfügen, dass ich den gesamten Nachmittag davor mit Lampenfieber verbracht habe. Ich habe gegessen und Blogs gelesen, während ich dem Aufwärmen aus dem Weg ging.)

Ich zog meine ziemlich stylishen Jazzpants an, die wahrscheinlich sechs Jahre alt sind, und meine sehr coolen Legwarmers. Natürlich trug sonst niemand Legwarmers, aber ich hatte wenigstens die richtigen Schuhe - keine. Es gibt zu dieser Gruppe einen Lehrer, ein Grund dafür, dass die Teilnahme dort nicht gerade billig ist. Er fing mit Body Percussion-Übungen an. Trotz seiner Nervosität wegen der tanz-ungewohnten Sängerinnen hatte wir beide damit keinerlei Probleme. Er wusste nicht, dass wir beide vor Jahren schon Trommelunterricht genommen hatten. Dann bekamen wir ein paar Übungen wie "Alle gleichzeitig durch den Raum laufen", mit den anderen Kontakt aufnehmen, Partnerübungen, bei denen man die Bewegungen des anderen spiegelt oder kontrastiert, und dann das große Finale: freie Improvisation mit Tanzen, Singen und Sounds, alles gemischt.

Ich war am Anfang etwas schüchtern, was das Bewegen anbelangt. Die anderen Tänzerinnen sind ziemlich gut. Aber dann fiel mir wieder einiges aus den Tagen ein, als ich noch Jazztanz gemacht habe. Ich folgte dem Flow, und es hat großen Spaß gemacht. Ich bin richtig gehend glücklich, weil ich kein Problem mehr mit dieser "Auftreten, Bewegen und Singen zur selben Zeit"-Sache habe. Es ist einfach verschwunden!

Der Grund dafür liegt wahrscheinlich darin, dass es mir inzwischen egal ist. Ich schalte einfach mein Hirn aus. Ich höre auf zu denken: "Oh je, wie ich aussehe! Wie steif ich bin! Schau, wie elegant und fließend sie sich bewegt! Das könnte ich nie!" Ich überlasse mich dem Flow und manchmal stolpere ich, weil ich mal stark genug war, um eine bestimmte Bewegung zu machen, aber jetzt bin ich es nicht mehr. Aber ich will ja keine Tänzerin werden.

Also muss ich ihnen immer noch sagen, dass ich nicht wiederkommen werde. Das tut mir schon leid. Das ist eine nette Gruppe, aber ich kann nicht so viel Zeit und Energie in ein solches Projekt stecken. Es ist ja nicht mein einziges Projekt. Im Gegenteil. Was ich aus dieser Erfahrung mitnehmen will ist: a) mehr Bewegung in mein Gesangs-Warmup zu integrieren, b) vielleicht ab und zu einen Modern Dance-Workshop zu besuchen und c) vielleicht wieder mit Krafttraining anzufangen. Oder auch nicht.

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