Mittwoch, April 26, 2006

Probe verschoben

Also. Ich habe meine Zehennägel lackiert, mir einen Babysitter besorgt, bin hysterisch geworden, habe mir selbst eine Gesangsstunde gegeben, mich fürs Tanzen aufgewärmt, S- und-U-Bahn-Verbindungen rausgesucht, meinen PDA aufgeladen, das neue Dresden Dolls-Album darauf kopiert, wei ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wollte; und genau, als ich das Haus verlassen wollte, traf ich meinen Mann, der sagte: "Bist du immer noch da? Die Performerin hat eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen." (Wenn du dich wunderst, wovon ich hier um Himmels willen rede, lies' erst dies, bitte.)

Nach all' dem Theater sollte ich zu dieser Probe/diesem Vorsingen nun doch nicht gehen. Weil die andere interessierte Sängerin sich nich gemeldet hatte, haben sie sich dafür entschieden, die ganze Sache auf den 9. Mai zu verschieben. Weil es einfacher wäre, die Übungen für uns zwei zu entwickeln. Übungen? Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, Unterricht zu nehmen. Offensichtlich hatte ich mich getäuscht. Als ich die Gruppe im Netz gesucht habe, habe ich herausgefunden, dass es sich dabei um einen Kurs an einer Tanzschule handelt. Die Teilnehmerinnen bezahlen für jede Probe 18 € (pro Person). Ich dachte eigentlich, ich wäre in dem Stadium, wo die Leute mich bezahlen, wenn ich singe. Nicht, dass ich was dagegen hätte, mich an der Raummiete zu beteiligen, ich kann schließlich keine Tanzproben bei mir zuhause abhalten, aber einen Lehrer bezahlen?

Ich fand auch heraus, dass die Gruppe Sängerinnen sucht, um "professioneller" zu werden. Hm. Vor zehn Jahren habe ich mich dazu entschlossen, nicht mehr an Versuchen, "professionell" zu werden, teilzunehmen. Ich weiß, dass sich das arrogant anhört, aber ich war fünf Jahre lang in einem Vokalquintett, das sich jede Woche traf und vor jedem Auftritt extra Proben hatte (und einen Lehrer bezahlte), bis mir klar wurde, dass wir auf diese Weise nie "professionell" werden würden. Ich schwor mir, fürderhin alleine zu üben und danach gut vorbereitet nur noch wenige Proben zu besuchen.

Ausserdem hat die Erfahrung der letzten Tage mir gezeigt, dass in meinem Leben einfach kein Platz für etwas ist, für das ich jede Woche einmal abends aus dem Haus muss. Ich habe den ganzen gestrigen Tag damit verbracht, mich vorzubereiten. Mein Zeug, alles für den Babysitter,... Und wenn meine Schwiegermutter nicht hätte babysitten können, hätte ich meinen Sohn eine halbe Stunde früher als sonst ins Bett bringen müssen und mir eine Auto leihen, um dann zur Probe etwas zu spät zu kommen. Wie realistisch klingt das? Jedes Mal, wenn ich abends das Haus verlasse, betrifft das vier Leute: mich, meinen Sohn, der daran gewöhnt ist, von mir ins Bett gebracht zu werden, meine Schwiegermutter, die babysitten muss und meinen Mann, der nach dem letzten Schüler lossausen muss, um meine Schwiegermutter beim Babysitten abzulösen...

So viel also zu dem Versuch, mein Performance-Problem zu überwinden. Ach, übrigens, als ich mich für diese Probe vorbereitet habe, ist mir aufgefallen, dass es schon viel einfacher für mich ist, mich gleichzeitig zu bewegen und zu singen. Kann sein, das lag daran, dass ich alleine war, aber vielleicht ist es mir auch nicht mehr ganz so wichtig, gut auszusehen.

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