Dienstag, November 07, 2006

Warum "fast fertig" nicht reicht

Ich hatte gerade eine Erleuchtung und habe einen meiner Haupt-Stressoren entdeckt: "fast fertig" reicht nicht. Also, meine Mutter hatte Geburtstag und ich brauchte ein Geschenk. Wie immer war ich mit der Planung und dem Nachdenken früh dran und orderte dann pünktlich ein Buch bei Amazon. Aber dann hatte ich eine Idee: Wäre es nicht fabelhaft, ihr eine Aufnahme des Liedes zu schenken, dass ich bei der Hochzeit meiner Schwester gesungen hatte und das wir im September fast zufällig aufgenommen hatten? Gute Idee. Sechs Tage vor ihrem Geburtstag haben wir es sogar geschafft, den Song zu mischen und auf CD zu brennen.

Und dann passierte es (und ich falle darauf jedes Mal rein): Ich dachte: "Oh, ich bin ja fast fertig." und dachte nicht mehr daran. Schrieb mir nur in meinen PDA eine kleine Notiz, um mich daran zu erinnern, es zwei Tage vor ihrem Geburtstag abzuschicken. An jenem Tag hatte ich nun folgendes zu tun:
  1. Die CD ein zweites Mal brennen, damit ich ihr nicht mein einziges Exemplar schicken musste.
  2. Ein Cover entwerfen und ausdrucken.
  3. Ein Jewel Case ohne Kratzer finden.
  4. Einen Umschlag finden.
  5. Die Bilder finden, die ich meinen Sohn für sie hatte malen lassen.
  6. Die Foto-CD finden, die ich ihr schon seit Monaten schicken wollte.
  7. Ein paar nette Worte schreiben und eventuell eine Geburtstagskarte finden. (Das Problem habe ich gelöst, indem ich direkt auf die Bilder geschrieben habe.)
  8. Einen Marker finden und ihre Adresse auf den Umschlag schreiben.
  9. Eine Briefmarke finden und vorher herausfinden, wie viel der Brief kostet.
  10. Vor 5 Uhr zum Postamt gehen, weil da das letzet Mal der Briefkasten geleert wird.
Okay. Alles in allem hat das 90 Minuten gedauert! (Unterschätze niemals die Zeit, die man braucht, um irgendwas mit dem Computer zu machen.) Für ein einziges mageres Geschenk, das "fast fertig" war. Stellt euch mal vor, wie das wird, wenn ich mich um Weihnachtsgeschenke kümmern muss. Und Geburtstagsgeschenke für den größten Teil meiner Schwiegerfamilie, die dummerweise alle um Neujahr herum geboren sind.

Vorher habe ich mich so richtig gut gefühlt, weil ich schon fast alle Weihnachtsgeschenke besorgt hatte. Aber ich bin mir nicht mehr so sicher. Es wäre sicher eine gute Idee, alles noch einmal anzuschauen, bevor die Weihnachtszeit tatsächlich nahe rückt. Vielleicht gibt es da noch mehr Geschenke, denen man noch eine kleine 90-Minuten-Aufmerksamkeit schenken muss.

Mein Mann (auf dessen kluge Ratschläge ich öfter hören sollte) sagt, dass man die gleiche Energie braucht, wenn man etwas von Anfang bis "fast fertig" macht, wie für die restlichen zehn Prozent. Das würde bedeuten, mein "fast fertig" bedeutet eigentlich "erst halb fertig". Aah.

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2 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hi Susanne!
Ich musste hierbei an deine vorgekochten Mahlzeiten denken. Die sind ja auch "fast fertig". Wie gehts denn damit?
Ich habe einmal in einem Kurs ("der Haushalt:schafft er mich oder schaffe ich ihn?") vom Pareto Prinzip gehört. In Hinsicht auf Zeitmanagement bedeutet es, dass alles so lange dauert, wie eben Zeit dafür vorhanden ist. Also dauern fast fertige Sachen so lange, wie es eben grade geht und das ist doch meistens viel länger, als wenn man schon beim ersten Mal alles erledigt. Aber wenn Du jetzt zum Beispiel das Gebutstagsgeschenk schon am ersten Termin fertig verpackt hätttest (samt Photos und anderem) hättest du vielleicht auf dem Weg zur Post Zeit vertrödelt oder so... Außer du hättest, um das Pareto Prinzip zu überlisten, dir noch andere wichtige Dinge vorgenommen, die Priorität haben. Dann wäre das Packerl früher, aber das ist ja auch egal ...
Das Leben dauert so lange, wie es eben dauert.
V.l.G. Andrea

8. November 2006 um 21:47:00 MEZ  
Blogger Susanne said...

Da muss ich jetzt leider widersprechen. Nicht, dass Dinge nicht immer so lange dauern würden, wie Zeit ist. Das kann man ja ganz einfach daran sehen, dass Rentner auch nie Zeit hätten, selbst, wenn sie nur Haushalt machen und sonst nichts.
Aber im Fall der CD war es so, dass es neunzig Minuten gedauert hat, obwohl ich mich an dem Nachmittag deswegen total gestresst habe. Schneller ging es also nicht. (Okay, ich hätte das mit dem Cover ganz bleiben lassen können.)
Nein, mir geht es darum, dass alles, was ich plane nicht bis zu Ende geplant ist. Das ist so, als wenn ich denke, ich fange um halb zwölf zu kochen an, gehe dann um halb zwölf aus meinem Zimmer und wundere mich, dass ich zu spät dran bin, weil ich mir nicht klar gemacht hatte, dass ich zwischen "In-meinem-Zimmer-Aufhören" und dem "Zu-Kochen-anfangen" noch aufräumen und mein Kind einsammeln muss. Ich vergesse regelmäßig das, was mein Mann "Zwischenzeiten" nennt.

9. November 2006 um 10:57:00 MEZ  

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