Samstag, Oktober 14, 2006

Warum sollte es jemanden kümmern, was ich blogge?

Das stand auf einem Post-It, das tagelang auf meinem Schreibtisch lag. Ich habe es in einem der 105 Blogs gefunden, die ich täglich lese. Obwohl ich zugeben muss, dass mir diese Frage auch ohne fremde Hilfe ein oder zweimal gekommen ist. Gestern habe ich einen Stift genommen und daneben geschrieben:

WARUM NICHT?

Ich erhebe wieder Anspruch auf mein eigenes Blog.

Ich habe in letzter Zeit nicht so gut gefühlt mit dem Blog und dem Zu-wenig-Musik-machen und Nicht-mehr-Schrumpfen. (Das Lesen von 105 Blog-Feeds und das tägliche Schauen von ein bis zwei Folgen "Buffy - im Bann der Dämonen" könnte eventuell etwas mit meinem unproduktiven Zustand zu tun haben.) Ich war voller Selbstmitleid und dachte: "Niemand will meine Blogs lesen, warum mache ich das überhaupt?" Jeden Morgen checke ich meine Besucherzahlen und denke:"Oh, nur sechs!". Was ich dabei immer vergesse ist:
  1. Ich habe zwar zwei Blogs, aber sie spiegeln sich nur. Selber Inhalt, andere Sprache. Ich würde mich sicher besser fühlen, wenn ich sie nicht getrennt betrachten würde. Es sind also nicht nur sechs Besucher, es sind zwölf.
  2. Natürlich kommen die Leute nicht täglich zu meinem Blog, wenn ich nur zwei bis drei Mal pro Woche etwas Neues schreibe.
  3. Ich blogge nicht gerade für den Mainstream.
  4. Ich bin nicht die beste Schreiberin der Welt. Und schon gar nicht auf Englisch.
  5. Es gibt da draußen Hunderte fantstischer Blogger. Wenn ich nicht ich wäre, würde ich wahrscheinlich auch die anderen lesen und nicht mich.
Bei mir gibt es ja immer ein Aber, hier ist es also: Wenn ich nicht ich wäre, wäre mir vielleicht der Stil oder so was egal, wenn es einen anderen Bolgger gäbe, der über die Dinge schreibt, die mir am Herzen liegen. In meinem ständigen Kampf darum, kreativ zu sein, während ich mich um mein Kind, den Haushalt, Sport, Unterricht und was sonst noch alles kümmere, würde ich mich darüber freuen, Gleichgesinnte zu finden. Ich würde gerne alles darüber lesen und über das "Wie machst du das nur?"

Natürlich hätte ich gerne unglaublich viele Leser. Und ich arbeite auch daran, das Blog zu verbessern. Deswegen lese ich copyblogger und problogger und Liz Strauss und Creating passionate users. Ich habe mich ja sogar für einen eCourse angemeldet, um mein Blog zu verbessern. Dieser Kurs hat mich zum Nachdenken gebracht. (Als ob dazu viel gehören würde.) All diese Blogs und der Kurs richten sich an professionelle Blogger. Sie helfen einem dabei, mit dem Blog Geld zu verdienen. Und obwohl ich schrecklich gerne mit dem Blog Geld verdienen würde, glaube ich nicht, dass das in näherer Zukunft passieren wird. (Auf jeden Fall nicht mit sechs plus sechs Lesern.)

Dieses Blog ist kein "Produkt". Ich schreibe das, was ich gerne lesen würde. Deshalb bin ich auch wieder zu den "Essays" zurückgegangen, wie ich es am Anfang gemacht habe. Deshalb blogjolte ich auch nicht mehr. Ich finde es schön, dass es eine Gruppe von Bloggern gibt, die sich gegenseitig helfen und empfehlen, aber ich werde nicht irgendwohin verlinken, nur weil mir jemand gesagt hat, dass ich das machen soll.

Ich mag lieber Blogger, die vielleicht nicht jeden Tag posten, aber wenn sie es tun, dann haben sie etwas zu sagen. Wie Martina Kink oder Jori DesJardins. Ich mag Blogger, die über Kreativität und ihre Probleme schreiben und die authentisch sind. Wie Christine Kane. Als ich ihr Blog gefunden habe, habe ich fast aufgehört, selber zu schreiben. Sie macht das so viel besser als ich. Aber es ist wie mit der Musik. Es geht nicht darum, die beste zu sein. Es gibt Platz für viele Blogger. Sogar für viele Blogger, die nicht auf der Technocrati Hitliste sind. Sogar für Blogger mit einem Rang von 660.000. (Ich glaube es ja nicht, ich bin gerade zu Technocrati gegangen, um meinen Rang zu checken und musste feststellen, dass "Diapers and Music" von Platz 660.000 auf 260.063 gestiegen ist. "Windeln und Musik" sank leider im gleichen Zeitraum von etwa 880.000 auf irgendwo bei einer Million.)

Das alles wäre es sogar dann wert, wenn ich nur für die drei meiner Freunde schreiben würde, die das Blog lesen. Aber ich habe sechs plus sechs Leser. Und ich versuche, mehr zu bekommen. Aber ich werde meine Zeit nicht damit verbringen, mir darüber den Kopf zu zerbrechen und über meinen "posting schedule" und dann Mitglied in noch einem Verein werden, nur um mehr Leser zu bekommen. Und mir ist auch klar, dass die deutsche Blogger-Szene etwas kleiner ist als die amerikanische. Und wenn ich so sehe, was die anderen empfehlen ist auch klar, dass unser Blog-Geschmack nicht unbedingt übereinstimmt. Kurze Einträge, etwa drei mal pro Tag. Un dann gibt es natürlich noch ziemlich viele Blogs von der Art "Und dann war ich Kaffeetrinken und dann habe ich ferngesehen.", die ich nur dann mag, wenn sie extrem gut geschrieben ist.

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