Dienstag, August 01, 2006

Nach dem Konzert

Yeah, das Konzert ist vorbei. Ich bin ziemlich stolz, ich glaube, den Zuhörern hat es auch gut gefallen. Knapp zwei Stunden lang habe ich Tori Amos Songs gespielt. Erst während des Auftritts ist mir aufgefallen, dass von meinen Zuhörern wahrscheinlich niemand weiss, wer Tori Amos ist. Allerdings hatte ich eine Freundin schon mit CDs versorgt, sie kannte also schon etwas. Ich habe also zwischen den Stücken erstaunlich viel erzählt.




Vorher war mir vor lauter Lampenfieber so schlecht, dass ich dachte, ich bin vielleicht krank. Vor lauter Angst habe ich den halben Tag vor dem Computer verbracht und nette neue Features in das Blog implementiert (Neu! Verbessert! Jetzt per E-Mail abonnieren!) Dann wurden aber Aufbau und Soundcheck unausweichlich. Um es gleich vorweg zu nehmen, nach dem Soundcheck war ich drauf und dran in letzter Minute abzusagen.



Ich habe im Musikraum meines Mannes gespielt (ja, wir haben zwei Musikräume, schließlich arbeiten wir hier). Das ist der größte Raum und dort steht die PA. (Ja, immer diese Akronyme, Public Address, das ist die Verstärker- und Lautsprecheranlage.) Wir (das heißt, mein Mann und ich) haben alles aufgebaut und verkabelt, und als erstes kriegen wir keinen Sound vom Keyboard. Hm. Alle Stecker eingesteckt, alles eingeschaltet. Hm. Oh, Kompressor einschalten. Okay, Mikro funktioniert, kein Keyboard. Das Keyboard hat keine Statusleuchte, aber wenn Keyboard und Soundmodul an der selben Steckerleiste hängen, muss es doch Strom haben. Na ja, eigentlich schon, aber als wir das Ganze in eine andere Steckdose gesteckt haben, lief es merkwürdigerweise doch. Erleichterung.

Das nächste Problem war: Feedback. (Zu deutsch: Rückkopplung, d.h. es pfeift. Laut.) Dieses Problem habe ich immer, weil ich in der Tiefe sehr leise singe. Deswegen muss man mein Mikro ganz laut drehen und dann ist die Feeback-Gefahr höher. Dann kam noch erschwerend hinzu, dass der Raum eine sehr schöne Akustik hat. Fabelhaften Raumhall. Das macht bloß leider die elektrische Verstärkung schwierig. Man kann sich natürlich fragen, warum verstärken? Tja, so eine elektrisches Keyboard klingt unverstärkt irgendwie nicht so klasse, zumal meines nicht einmal Lautsprecher besitzt. Außerdem wollte ich das Konzert aufnehmen. Wir haben buchstäblich stundenlang gecheckt und sämtliche Fenster und reflektierenden Oberflächen abgedeckt. Schranktüren abgehangen, Fussboden mit Teppichen belegt und zum Schluss fest gestellt, dass ein Hauptproblem die glänzende Oberfläche des Keyboards war, die von hinten in das Mikro eingestreut hat. Ich habe also mit einem Wollschal auf dem Keyboard gespielt. Nach dem Soundcheck war ich fertig, es klappte gar nichts mehr, und meine Stimme war schon recht angegriffen.

Dann umziehen, schminken, Abendessen - Wäsche aufhängen.

Die drei Zuhörer (ja, drei, macht nie einen Termin für Ende Juli kurz vor den Sommerferien) kamen recht pünktlich, und nach einem Gläschen hervorragenden Rosé-Sekts (ich sage ja, ihr habt was verpasst), habe ich zu spielen angefangen. Durch die Aufnahme hatten wir natürlich zusätzliche Probleme mit dem Aufbau und der PA. Die ersten Stücke über war ich noch ziemlich angespannt, aber es lief besser und besser.

Leider gab es immer wieder Stellen, wo die Zuhörer mitfiebern mussten, ob ich das schaffe (auf dem Piano), und das ist natürlich nicht so optimal. Das Publikum war freundlich und aufmerksam und mein Sohn (3 1/2) hat das ganze Konzert über auf einem Sessel gesessen oder gelegen und keinen Pieps von sich gegeben. Wow! Ich hätte erwartet, dass er spätestens in der Pause schwächelt, aber nein. Und eingeschlafen ist er auch nicht. Nachdem ich fertig war, hat ihn der Babysitter ins Bett gebracht. Wir Erwachsenen haben noch geredet und sind heute alle völlig übermüdet.


Ich bin sehr glücklich über dieses Konzert. Das

Projekt war für mich die Möglichkeit, Musik vorzustellen, die ich sehr liebe, dabei an meinen Schwierigkeiten mit dem Auftreten zu arbeiten und auch mal ein Projekt abzuschließen. Was ich dabei gelernt habe (außer dass man so was definitiv nicht Ende Juli machen sollte) ist,
  • wie viel Spaß es macht, auch mal was Größeres in Angriff zu nehmen und abzuschließen,
  • dass ein Großteil meiner Hemmungen auf der Bühne aus der Unvertrautheit mit dem Equipment resultiert hat,
  • wie viel Unterschied ein gutes Mikro macht,
  • dass ich mich früher immer viel zu schlecht vorbereitet habe und
  • dass - es auch dieses Mal nicht völlig ausgereicht hat.


Ich sehe auch, dass meine Entschluss, mich ernsthafter der Musik zu widmen mich als Musikerin auf die nächsthöhere Ebene führt. Jedes Mal, wenn ich daran verzweifle, dass man in die Musik so viel Arbeit stecken muss, stelle ich fest, wie tröstlich es ist, dass die Gleichung auch umgekehrt funktioniert. Wenn man Arbeit reinsteckt, wird man besser. Immer. Vielleicht nicht sofort, aber mit der Zeit bestimmt.

P.S.: An dieser Stelle möchte ich auch noch meinem Mann danken. Er hat mir in letzter Zeit ziemlich viel abgenommen, damit ich üben kann und war mein hauseigener Roadie, Mixer, Tontechniker und Recording Engineer.

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