Dienstag, März 07, 2006

Work-Life Balance

Gestern habe ich eine Stunde damit verbracht, einen Post zum Thema work-life balance auf BlogHer zu verfolgen. Ich hatte sogar schon angefangen, einen Kommentar dazu zu schreiben, habe ihn aber nicht veröffentlicht, weil er meine Lebensgeschichte der letzten zwanzig Jahre enthalten hätte. (Vielleicht ein bißchen viel für einen einfachen Kommentar zu einem Blog.) Und ich veröffentliche die Geschichte jetzt auch nicht hier; aber was mich nicht mehr losgelassen hat, was das Wort "Work-Life Balance". Was für ein Wort! (Und es ist so schick und zeitgemäß, daß es auf Deutsch auch "Work-Life Balance" heißt.)

Dieses Wort impliziert, daß Arbeit kein Bestandteil des Lebens ist. Süß! Und das stresst einen auch irgendwie. Denn während man Stunden um Stunden bei der Arbeit verbringt, hat man das Gefühl, nicht zu leben. Obwohl man es tut. Es mag nicht das Leben sein, das man sich vorstellt, aber das einzige, das man hat.

Man lebt sogar, während man Hausarbeit macht - sogar, während man die Toilette putzt. Mein schönster Moment des gestrigen Tages zum Beispiel war das Aufhängen der Wäsche mit meinem Sohn. Wir hatten ziemlichen Spaß, und es war eine sehr befriedigende Arbeit.

In meinem Leben sind die Grenzen zwischen Arbeit und dem Rest meines Lebens sowieso nicht besonders klar. Unterrichten ist natürlich Arbeit, weil ich dafür bezahlt werde. Songs zu transkribieren oder neue zu lernen, ist Teil der Arbeit, aber ich bekomme dafür kein Geld. Üben ist Arbeit (kein Geld), Songs schreiben ist Arbeit (kein Geld). Hausarbeit ist - nicht ganz Arbeit. Wenn ich keine Musikerin wäre, wären Klavierspielen und Singen Freizeitaktivitäten.

Ich hatte vor einigen Wochen eine Erleuchtung, als ich wegen Geld etwas deprimiert war und mir der Unterricht auf die Nerven ging. Ich dachte darüber nach, wie sich mein Leben ändern würde, wenn ich genug Geld hätte, um alles zu tun, was ich will.

Denn darum geht es ja bei dem Begriff "Work-Life Balance", daß "Arbeit" etwas ist, das man nur tut, weil man Geld verdienen muß. (Und Leben ist etwas, das man am Wochenende und im Urlaub tut.)

Zuerst dachte ich an die Dinge, die man mit Geld in Ordnung bringen kann: den Kredit abzahlen, eine neue Küche kaufen, einen Konzertflügel ... Aber dann ist mir aufgefallen, daß ich zwar vielleicht nicht jeden meiner Schüler behalten würde, aber daß ich nicht ganz damit aufhören würde. Ich unterrichte gerne. Wenn ich alles Geld der Welt hätte, würde mein Leben sich nicht wesentlich ändern. Zumindest denke ich das jetzt.

Stell' Dir vor, Du denkst über Dein Leben nach und hast das Gefühl, es ist fast genauso, wie Du es Dir wünschst...

Ich war ein bißchen geschockt, aber ziemlich glücklich.

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